Stellungnahme: Social-Media-Alterseinschränkungen sind keine nachhaltige Lösung für Kinder- und Jugendschutz online

Die derzeitigen Entwicklungen im digitalen Raum stellen gesellschaftliche Herausforderungen dar, insbesondere in puncto Kinder- und Jugendschutz. Radikalisierungsbemühungen (z.B. seitens Rechtsextremismus, Islamismus, Frauenfeindlichkeit/Incel-Kultur etc.), Cybergrooming, Mobbing, Hass und Hetze, gewaltvolle Inhalte, Desinformationen und der unreflektierte Umgang mit KI-Chat-Bots und co. sind leider Teil der digitalen Alltagswelt. Der BDAJ erkennt darin vielfältige Gefahren für Kinder- und Jugendliche und die gesellschaftliche Verantwortung sie auch im digitalen Raum zu beschützen. 

Kinder und Jugendliche haben allerdings ein Anrecht auf gesellschaftliche Teilhabe, auch digital. Vielen jungen Menschen werden Zugänge zu gesellschaftlicher Teilhabe erschwert, vor allem denen, die von Diskriminierungen betroffen sind, darunter auch migrantisierte Jugendliche. Der digitale Raum hat neben seinen Schattenseiten auch viel Positives zu bieten: Z.B. (Politische) Bildung, Gemeinschaft/Community, Diskussion und Austausch. Soziale Medien sind ein Kommunikationsraum von Jugendlichen, der, wenn er entrissen wird, zu sozialer Isolation und vermehrter Einsamkeit führen kann. Jugendliche also pauschal aus digitalen Räumen zu exkludieren kann keine Lösung sein.  

Altersbegrenzungen, die bestimmte Zugänge einschränken, können sinnvoll sein. Ein Verbot in Form einer Altersbegrenzung konsequent durchzusetzen, ist aber in der Umsetzung schwierig. Beispielsweise, da bei einer Verifizierung mit Ausweisen, dieser Prozess mit fremden oder gefälschten Ausweisen ausgetrickst werden kann. Berücksichtigt werden sollte dabei zusätzlich das Thema Datenschutz. Außerdem besteht eine Gefahr darin, dass ein Raum, der augenscheinlich für Jugendliche gesperrt ist, nicht mehr (noch weniger) auf angemessene und jugendfreie Inhalte achten muss. Selbst wenn die gängigen Social-Media-Plattformen nicht mehr zugänglich für Jugendliche sind, verlagert sich das Problem bloß. Denn andere digitale Räume und Plattformen, z.B. Gaming-Apps werden bereits jetzt dafür genutzt zu chatten und in Kontakt zu treten. Die Gefahr dabei: Noch weniger Kontrolle, einfachere Zugänge z.B. für Pädokriminelle, wenig Awareness bei Erziehungsberechtigten, dass die Kinder- und Jugendlichen dort in Kontakt mit fremden Menschen sind. Und was eine Alterssperre für Social Media außerdem nicht berücksichtigt sind KI, die vor allem von Jugendlichen teils exzessiv und unreflektiert genutzt werden.  

Was es also anstatt eines Verbots braucht, ist die Vermittlung von Medienkompetenz. Kritisches Denken und der Umgang mit sozialen Medien muss intensiv geschult werden. Radikale/ radikalisierende Inhalte müssen außerdem stärker kontrolliert werden. Die Plattformen müssen stärker in die Verantwortung gezogen werden vor allem in Bezug auf schädliche, gewaltvolle, problematische Inhalte und Accounts. Bessere und spezialisierte Support Funktionen für (junge) Nutzer*innen müssen angeboten bzw. ausgebaut werden. 

Unsere Forderungen für den Schutz von Kindern- und Jugendlichen online sind: 

  1. Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche sicher in digitalen Kommunikationsräumen unterwegs zu sein! 
  1. Verstärkte und niedrigschwellige Förderung von Bildungsangeboten zu Medienkompetenz 
  1. Plattformen in die Verantwortung ziehen, u.a. was Sicherheit, Support und das Sperren von schädlichen und gewaltvollen Inhalten angeht 
  1. Jugendliche in politische Entscheidungsprozesse zur Regulierung digitaler Plattformen einzubeziehen 
  1. Sichere(re) alternative Social-Media-Plattformen für Kinder und Jugendliche zu fördern 
  1. Verpflichtung für Social-Media-Plattformen Inhalte intensiver und konsequenter zu prüfen und ggf. zu entfernen und einfachere Hilfe- und Supportangebote zur Verfügung zu stellen 
  1. (Verstärkte) Förderung von Beratungs- und Meldestellen zu digitaler Gewalt  
  1. Digitale Teilhabe für Kinder und Jugendliche zu fördern und stärken, statt sie zu entziehen