Newroz/ Nevruz-Grüße

Newroz/Nevruz wird allgemein am 20. und 21. März gefeiert (je nach Region), denn der Tag ist zum ersten Mal nach dem Winter genauso lang wie die Nacht. So feiern wir Alevit_innen den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit und gleichzeitig den Geburtstag Hz. Alis, welcher ein Teil unseres –göttlichen Lichtes- ist. An den Newroz/Nevruz Tagen werden auch Lokma (Speisen und Gaben) an Hilfsbedürftige und an die Nachbarschaft verteilt, um Hilfsbereitschaft und Achtung vor der Schöpfung, dem Leben zu demonstrieren. Darüber hinaus wird in einigen Regionen Anatoliens die Zeremonie des Hawtamal/Hewtemal (wörtlich: sieben der Tiere) zelebriert. In dieser Zeremonie findet eine Segnung des Dorfes, der Natur und vor allem die der Tiere statt. Dies hat einen besonders hohen Stellenwert bei Alevit_innen, welche auf dem Land leben, denn die Verbundenheit mit der Natur und dem Frühlingsbeginn, sind wichtiger Bestandteil ihrer Lebensgrundlage.

 

Übersetzt bedeutet Newroz auf Deutsch „neuer Tag“ und steht für das Winterende, somit handelt es sich bei Newroz/Nevruz um ein Neujahrs-/Frühlingsfest, welches vom Balkan, über die Schwarzmeerregion bis nach Zentralasien zelebriert wird. Dabei gibt es verschiedene regionale Besonderheiten und Interpretation zum Hintergrund dieses Festes. Für die Perser_innen beispielsweise ist Nouruz (persisch) schlicht ein Neujahrsfest. Auf den Balkanhalbinseln, dem Kaukasus und in Zentralasien wird der Frühlingsbeginn gefeiert und für einige Kurden hat Newroz zum Beispiel eine politische Bedeutung.

 

Er wird von ihnen als ein Tag des Widerstandes gefeiert, an welchem das Gute bzw. das Licht über die Dunkelheit und Tyrannei der damals Herrschenden siegte. Einem Mythos nach brachte der Kurde Feridun nach jahrelanger Unterdrückung den grausamen Herrscher Dehok um. Dehok waren nach der Ermordung seines eigenen Vaters zwei Schlangen aus seinen Schultern gewachsen, welchen er täglich zwei kurdische Männer opferte. Daraufhin organisierte Kawa unter dem kurdischen Volk einen Widerstand gegen Dehok, welchen auch Feridun sich anschloss und so letztlich den Tyrannen und seine Schlangen erschlug. Zum Schmieden der Waffen benötigten sie das Feuer und somit wurde das Feuer zu einem wichtigen Symbol für Newroz/Nevruz. Die Kurden sehen in diesem Mythos neben den Sieg über die Tyrannei, den Anfang des organisierten Widerstandes des kurdischen Volkes.

 

Es ist klar ersichtlich, dass die Auslegungen über die Ursprünge und Hintergründe von Newroz/Nevruz unterschiedlich sind, jedoch liegt ihnen alle eine gewisse Verbundenheit und Verehrung der Natur und des Lichtes zu Grunde. Der Ursprung dieses Festes liegt jedoch in der vorislamischen und vorchristlichen Zeit, dem Zoroastrismus. Zoroastrier_innen verehrten damals wie die Alevit_innen heute, Lichtquellen wie zum Beispiel das Feuer, wobei das Feuer/Licht die -heilige Gottheit- symbolisierte.

 

Auch im heutigen Alevitentum hält das Licht eine besondere Rolle inne, denn es gilt als Quelle für jegliche Schöpfung und wird daher ähnlich wie bei den Zoroastrier_innen als -göttliches Licht- verehrt, welches die Welt und das Leben erhellt. Auch Heilige, welche Botschafter der -göttlichen Wahrheit- für die Menschheit sind, werden als ein Teil des göttlichen Lichtes wahrgenommen. So kommt es dazu, dass einige Alevit_innen auch Hz. Ali als dieses göttliche Licht wahrnehmen und den 21. März als seinen Geburtstag zelebrieren.

 

In diesem Sinne wünschen wir euch, euren Familien und Freunden ein wundervolles Newroz/Nevruz-Fest!