BuKo 2012 in Lingen an der Ems

BDAJ BuKo (Bundesdelegiertenkonferenz) 13.-14.10.2012 in Lingen (Ems)

 MG 4060

 

 

2012 Leitantrag

No Respect for War!

Der BDAJ setzt sich aktiv für einen kritischen Umgang von Jugendlichen mit Kriegshandlungen ein. Konflikte müssen auf friedlichem Wege und mit Diplomatie gelöst werden. Der BDAJ wird in Seminaren und Schulungen die Mitglieder für dieses Thema sensibilisieren und versuchen, ein kritisches Bewusstsein für (internationale) Kriege bzw. generell gewalttätige Konflikte zu schaffen. Das Ziel ist es dabei, die Jugendlichen als Multiplikatoren für den Gedanken des Pazifismus zu gewinnen. Gewalt darf nicht nur für Staaten, sondern auch für Jugendliche keine Alternative sein!

 

Begründung:

Krieg ist für viele Staaten die Ultima Ratio geworden. Betrachten wir die Kriege der vergangenen Jahrhunderte und diese unserer Zeit, so stellen wir fest, dass heute mehrheitlich Stellvertreterkriege geführt werden und sogenannte „War Lords“ und die Kriegsindustrie ihre Geschäfte mit Söldnertruppen, Waffen etc. machen.

Gerade der „Arabische Frühling“ hat uns klar und deutlich gezeigt, welche fatalen Auswirkungen Kriege für die Zivilbevölkerung haben. Der Konflikt in Syrien beispielsweise hat bereits rund 15.000 Menschen das Leben gekostet und statt eine politische Lösung des Problems herbeizuführen, drängen die Nachbarstaaten Syriens auf eine militärische Intervention von außen. Eben diese Logik verschärft den Konflikt zwischen der syrischen Regierungen und den Rebellen sowie diversen terroristischen Gruppierungen wie der Al Kaida.

In dem Ursprungsland der Aleviten, der Türkei, herrscht ebenfalls Krieg, der eine tiefe Zerrissenheit in der Bevölkerung hervorgerufen hat. Statt eine politische Lösung der Kurdenfrage herbeizuführen, katapultiert die AKP-Regierung mit ihrem minderheitenfeindlichen Kurs den Osten des Landes zurück in die 90er Jahre, einer Zeit des totalen Ausnahmezustandes.

 

Selbst der Einsatz der Bundeswehr im Zuge der NATO-Beistandspflicht in Afghanistan ist zu verurteilen und stellt weiterhin eine Verletzung des Grundgesetzes dar.

Als antimilitaristischer Kinder- und Jugendverband lehnen wir jede Form der Gewalt kategorisch ab und verurteilen diese aufs schärfste. Krieg ist für uns die Ultima Irratio (die letzte Unvernunft) und nicht Ultima Ratio (letzte Vernunft)!

Wir fordern daher:

  • Keinen Respekt für Krieg! (No respect for war!)
  • Die Bundeswehr muss aus Afghanistan abziehen!
  • Krieg darf niemals als ein Weg zum Frieden betrachtet werden!
  • Die Vereinten Nationen – UN (bzw. der UN-Sicherheitsrat) müssen alle kriegsführenden Staaten wirtschaftlich sowie politisch sanktionieren!

 

2012.1 Jugendarbeit in den Alevitischen Gemeinden ermöglichen und verbessern.
Unsere Forderungen an die Erwachsenenabteilungen.

Der BDAJ fordert von den Alevitischen Gemeinden in Deutschland:

1. Mitbestimmungsrecht

Wir fordern, dass der Jugendabteilung auch Mitspracherecht im Gemeindeleben zugestanden wird. Dies ist wichtig für die Identifikation mit der Gemeinde und kann auf mehreren Elementen aufbauen.

                        a. Stimmrecht in Vorstandssitzungen

In der Satzung muss festgehalten werden, dass die/der Jugendvorsitzende ein stimmberechtigtes Mitglied des Gemeindevorstandes ist.

(Vgl. Satzung der Alevitischen Gemeinde Deutschland AABF)

b. Stimmrecht bei Vollversammlungen

Den Jugendlichen mit oftmals geringerem Einkommen muss eine Möglichkeit angeboten werden, wie sie mit geringem Mitgliedsbeitrag stimmberechtigte Mitglieder der Gemeinden werden können.

Das aktive und passive Wahlrecht ist unbedingt zu vergeben.

2.Mitgliedschaft

Schüler, Studenten, Auszubildende und Nicht-Erwerbstätige über 16 Jahre sollten einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von etwa 2 Euro zahlen. Erwerbstätige Jugendliche hingegen sollten den Mitgliedsbeitrag zahlen, der in der Vereinssatzung von der Vollversammlung festgelegt wird

3.Raum für Jugendarbeit

Für eine gelungene Jugendarbeit wird ein Raum benötigt, an dem die Jugendlichen unter sich bleiben und sich frei entfalten können. Sollten der Gemeinde Räume zur Verfügung stehen, die nicht dringend im Gebrauch des Erwachsenenvorstandes sind, so sollte der jeweiligen Ortsjugend ein Jugendraum zur Verfügung gestellt werden. Nur so kann die eigenständige Arbeit und Verwaltung der Jugendarbeit ermöglicht werden. Sollte dies aufgrund von fehlenden Räumlichkeiten nicht möglich sein, muss dafür gesorgt werden, dass Jugendliche, bei Bedarf, Räume für Veranstaltungen oder für die Archivierung von Materialien beanspruchen können.

4.Finanzierung

a.Finanzmittel

„Ohne Moos, nix los“ heißt es im Volksmund und diese Weisheit gilt auch in unseren Vereinen. Nur wer eine Grundausstattung mit Finanzmitteln hat und darüber auch selbst entscheiden kann, ist fähig, ordentliche Jugendarbeit zu betreiben.

Unser Wunsch: Der Kinder- und Jugendarbeit sollte von den monatlichen Mitgliedsbeiträgen der Gemeinde ein fixer Anteil von 2-5% zugeführt werden. Der genaue Prozentsatz sollte gemeinschaftlich bestimmt werden. Die Jugendabteilung verpflichtet sich zum Beispiel im Gegenzug dem Erwachsenvorstand bei Bedarf einen halbjährlichen Kassenbericht vorzulegen.

 

b. Eigene Kasse

Jede Ortsjugend muss eine eigene Kasse bekommen, die sie selbst verwalten kann. Die Jugend ist verantwortlich für die Kasse und muss auch entsprechende Berichte erstellen. Die Kontrollkommission der Jugend/ der Gemeinde kann die Kasse der Jugend ebenfalls kontrollieren.

 

5.Betreuung / Begleitung

 

a. Betreuer und dessen Aufgabe

Jeder Jugendvorstand braucht eine/n Betreuer/in aus dem Erwachsenenvorstand, die/der sich aktiv um die Jugend kümmert. Dies soll auch in der Vereinssatzung festgelegt werden. Der Beauftragte ist auch für die Vernetzung der Jugend mit den anderen Organen der Gemeinde/ des Vereins verantwortlich.

 

b. Kinderbetreuung

Die Kinder sollten von Jugendlichen und/ oder Erwachsenen betreut werden. Dadurch sind die Kinder zum einen unter guter Aufsicht und zum anderen fördert es die soziale Interaktion in der Gemeinde.  Die Betreuer sollten mit den Kindern sinnvollen Aktivitäten nachgehen, damit die Kinder so früh wie möglich mit der humanistisch-alevitischen Philosophie unserer Gemeinden vertraut werden.

 

6.Eigenständigkeit

Damit die Jugend nicht von einzelnen Personen im Erwachsenenvorstand abhängig ist, muss die Jugend einen Schlüssel/Generalschlüssel für die Räumlichkeiten bekommen. Dadurch ist gewährleistet, dass die Jugend sich jederzeit in der Gemeinde treffen kann. Der Jugend soll ein E-Mail-Postfach (z.B. Jugend@…) sowie auch ein eigenes Postfach zur Verfügung gestellt werden. Somit ist gewährleistet, dass alle Informationen, die im Interessenfeld der Jugend liegen, direkt an den Jugendvorstand weitergeleitet werden können.

 

7.Vollversammlung

Der Jugend wird bei der Vollversammlung des Vereins/ der Gemeinde die Präsentation ihres Arbeitsberichts, welcher einen Überblick über vergangene Arbeiten, Veranstaltungen, Projekte o. ä. bietet, ermöglicht. Somit soll die Anerkennung der Jugendarbeit durch die Erwachsenen gefördert und für mehr Transparenz zwischen der Jugend und den Erwachsenen gesorgt werden.

 

8.Kinder

a. Bildungsfördernde Maßnahmen

Die Vereine/ Gemeinden bieten fortlaufend oder in regelmäßigen Abständen bildungsfördernde Maßnahmen für Kinder an. Hierunter werden Angebote zur Unterstützung der schulischen Leistung sowie das Behandeln von außerschulischen Themen, die das Allgemeinwissen bereichern, verstanden. Diese Maßnahmen können in Form von Kursen, Seminaren, Bildungsfahrten oder Einzelveranstaltungen stattfinden.

 

b. Spielecke

 

Den Kindern der alevitischen Gemeinde sollte eine Spielecke zur Verfügung stehen, damit die Kinder eine sinnvolle Beschäftigung in der Gemeinde haben.

Dadurch werden die Kinder umso mehr das Bedürfnis haben, öfter in die Gemeinde gehen zu wollen.

Dieser Forderungskatalog soll auf der kommenden AABF Vollversammlung als Antrag gestellt werden.

Begründung:

Erwachsene bescheinigen der Jugendabteilung oftmals enorme Wichtigkeit für die Zukunft einer Gemeinde. Die Kinder und Jugendlichen, die bereits in jungen Jahren wertvolle Arbeit für den Verein leisten, sollen in Zukunft die Geschicke der Gemeinde übernehmen und die wichtigen Ämter bekleiden. Dabei wird manchmal außer Acht gelassen, dass Jugendarbeit kein Selbstläufer ist, sondern begleitet und gestützt werden muss. Die externen Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit sich die junge Generation in der Gemeinde wohl fühlt und diese mitgestalten kann.

Dieser FORDERUNGSKATALOG enthält damit die Forderungen der BDAJ-Ortsjugenden an ihre Erwachsenengemeinden und muss umgesetzt werden, damit Kinder- und Jugendarbeit funktioniert.

Im Rahmen der 1. Vorsitzendenversammlung des BDAJ im Mai 2012 in Berlin hat sich die Versammlung für die Erarbeitung eines Forderungskataloges entschieden, welcher nach Beschluss auf der BuKo den Ortsgemeinden zugeschickt werden soll.

Während der Vorsitzendenversammlung wurde eine Kommission bestimmt. Diese bestand aus folgenden Personen: Duygu Yücel (BDAJ Bayern), Evrim Celik (BDAJ Bayern), Umut Güzel (BDAJ NRW), Gürkan Özkan (BDAJ NRW), Azime Tazegül (BDAJ-Berlin), Onur Yildirim (BDAJ-Augsburg), Ersin Kavak (BDAJ-Ludwigsburg) und Dilara Malkoc (BDAJ-Marl).

 

2012.2 Alle Völker und Menschen sind gleichwertig

Der BDAJ erachtet alle Völker und Menschen als gleichwertig an. Er lehnt jegliche Formen von diskriminierendem und Grenzen aufwerfendem Verhalten sowie politische Polarisierung und seine Ausdrucksformen in den alevitischen Gemeinden ab (dazu gehören u. a. nationalistisch-motivierte Leitfiguren, National- und Parteiflaggen o. ä.) und betont, dass die Gedanken der Diskriminierung und der Kategorisierung dem alevitischen Glauben fremd sind, da sie Menschen in Gruppen aufteilen und in der Vergangenheit zu zahlreichen Verbrechen mit unzähligen Todesopfern geführt haben. Wir sind für eine Welt frei von Grenzen und für die Freundschaft und Brüderlichkeit der Völker, in der alle Menschen gleich sind.

Begründung:

Der Nationalismus ist eine Idee, die Ende des 18. Jahrhunderts auf der gesamten Welt Anklang fand und Menschengruppen in Nationen aufteilte, zugunsten der Herstellung eines souveränen Nationalstaates. Diese Idee war für die damaligen Verhältnisse fortschrittlich und wurde maßgeblich von der französischen Revolution mitgetragen.

Zurückblickend stellen wir aus heutiger Sicht fest, dass der Nationalismus kein gesundes politisches Phänomen ist, sondern der Menschheit mehr als geschadet hat. Überhöhter Nationalismus führte in weiten Teilen der Welt zu faschistoid bis faschistischen Gruppierungen und Systemen, die den Nationalismus in radikalisiertem Format auslebten und dabei mehrere Millionen Menschenleben auslöschten (Bsp.: Das „Dritte Reich“, der Serbien-Bosnien-Konflikt, Völkermord in Ruanda, die Kurdenfrage, die Palästinenserfrage etc.).

Menschen mit ganz unterschiedlichen ethnischen Hintergründen bekennen sich heute zur sozial-humanistischen alevitischen Lehre. Da ein alevitischer Leitsatz besagt, dass wir „alle 72 Nationen mit dem gleichen Auge betrachten“, stellt sich für viele Menschen alevitischen Glaubens die Frage, ob sie somit auch nicht mehr an der türkischen, kurdischen, turkmenischen oder arabischen Kultur partizipieren können.

Was hierbei jedoch oft verwechselt wird ist der Kultur- und Nationenbegriff. Nationalfeiertage und Symbole sind nicht Teil irgendeiner Kultur, sondern vielmehr willkürlich festgelegte Tage oder Symbole, die das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Nation stärken sollen.

Damit einhergehend sollen die BDAJ-Ortsjugenden darauf achten, keine nationalen Symbole in Form von Führerportraits, Flaggen o. ä. in ihren Jugendräumen oder Vereinen aufzuhängen, denn das Alevitentum kennt keine Nationen und betrachtet alle Menschen als gleichwertig an!

 

2012.3 Multilokale Gedenkveranstaltung für den Dichter Nazim Hikmet

Der BDAJ und seine Untergliederungen organisieren einen multilokalen Gedenktag im Jahr 2013, um dem Dichter Nazim Hikmet Ran an seinem 50. Todesjahr zu gedenken. Der Gedenktag soll Nazim Hikmets Gedichte und Werke, entsprechend seiner Wertvorstellungen, wiederaufleben lassen und den Jugendlichen ihren Inhalt näher bringen. Bei der Gestaltung und Durchführung dieser Veranstaltungen sind die Jugendlichen frei und sollen selbstständig und kreativ Aktionen auf die Beine stellen, ggf. mit der Unterstützung der Regionalverbände.

Begründung:

Nazim Hikmet (*20. Januar 1902 in Thessaloniki; † 3. Juni 1963 in Moskau) gilt als einer der bedeutendsten türkischen Poeten aller Zeiten. Seine Werke und sein Leben widmete er den sozial benachteiligten Menschen und dem Sozialismus. Sowohl seine schriftlichen Werke, als auch sein politisches Engagement (u. a. in der illegalen Kommunistischen Partei der Türkei; TKP), führten mehrfach zu seiner Inhaftierung und Verurteilung in der Türkei. Trotz der Repressionen seitens der damaligen türkischen Regierungen, setzte er seine Arbeit als Lyriker und Dramatiker fort und musste sogar ins Exil flüchten, wo er 1963 auch starb.

Der BDAJ kann sich mit dem Inhalt der Werke Hikmets identifizieren, denn der Gedanke der Solidarität, sozialen Gerechtigkeit und des internationalen Friedens sind auch Positionen des BDAJ.

                                      

2012.4 Mein Körper – Meine Entscheidung?

Knabenbeschneidungen sollen in der Bundesrepublik Deutschland nicht strafrechtlich unterbunden werden. Der BDAJ setzt sich für den Erhalt und das Recht zur Durchführung dieser religiösen Tradition ein, da die Knabenbeschneidung im Alevitentum ein Jahrhunderte alter religiöser Ritus ist, der für die Aleviten einen nicht zu unterschätzender Teil ihrer religiösen und kulturellen Identität ausmacht. Gleichwohl sollen Kinder aktiver in den Prozess der Entscheidung darüber, ob die Beschneidung durchgeführt werden soll oder nicht, miteingebunden werden. Weiterhin darf die Beschneidung nur und ausschließlich von medizinisch fachkundigem Personal durchgeführt werden.

Begründung:

Im Juni 2012 hatten Richter des Landgerichts Köln die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen als strafbar geurteilt. Aufgrund der darauf folgenden nationalen sowie internationalen Debatten, hatte der Bundestag daraufhin einen Beschluss verabschiedet, wonach eine medizinisch fachgerechte Beschneidung bei Jungen grundsätzlich möglich sein sollte. Das Bundesjustizministerium möchte dieses Problem mit zwei kurzen Absätzen lösen, indem im Kindschaftsrecht die medizinisch nicht notwendige Beschneidung durch das Einverständnis der Eltern straffrei bleibt und der Beschluss im Familien- und nicht im Strafrecht verankert werden soll.

Aufgrund des Rechts auf Religionsfreiheit und des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit, sehen wir in dem Urteil des Landgerichts Köln ein juristisches und gesellschaftliches Fehlurteil und fordern, dass Jungen im Grundschulalter vor dem Eingriff und nach fachlicher Aufklärung gefragt werden, ob sie mit der Beschneidung einverstanden sind. Wird die Beschneidung verneint, darf die Beschneidung nicht vorgenommen werden. Wird die Beschneidung bejaht, dürfte diese nur und ausschließlich von medizinisch fachkundigem Personal durchgeführt werden.

                                      

2012.5 Zentraler Treffpunkt für die BDAJ Bundesdelegiertenkonferenzen

Der BDAJ Bundesvorstand wird dafür Sorge tragen, dass die BDAJ Bundesdelegiertenkonferenzen in Zukunft an zentralen und gut erreichbaren Orten, die jedoch in den verschiedenen Regionalverbänden rotierend, stattfinden werden.

Begründung:

Unserer Meinung nach ist “Lingen” keine richtige und faire Plattform um Bundesdelegiertenkonferenzen abzuhalten, da sie einfach nicht zentral genug liegen, um alle Ortsjugenden anzusprechen.

Außerdem ist es nicht akzeptabel, dass die Ortsjugenden im Süden ständig durch einseitige Treffpunkte, wie im Norden, höhere Kostenaufwendungen betreiben müssen!

                                      

2012.6 Sobaya kömür, öğrenciye kalem!

[dt. Kohle für den Ofen, Stifte für den Schüler!]

Der BDAJ Bundesvorstand wird bis zur nächsten Bundesdelegiertenkonferenz eine Schulstiftung in Deutschland für unsere sozialschwachen Schüler in der Türkei gründen.

Begründung:

Wir denken, dass der BDAJ zu wenig für sozialschwache Kinder in schlechten infrastrukturellen Gegenden Sorge trägt.

                                      

2012.7 Das wichtigste Element-Alevitentum!

Der BDAJ Bundesvorstand wird bis zur nächsten Bundesdelegiertenkonferenz dafür Sorge tragen, dass ein Bildungsbeauftragter eingestellt wird, der die einzelnen Ortsvereine bezüglich der Alevitischen Glaubenslehre betreut und Schulungen absolviert.

Begründung:

Unserer Meinung nach wurde und wird immer noch zu wenig für unseren Glauben gelehrt, da unser Glaube das wichtigste und wahre Element ist, das uns verbindet!

                                      

2012.8 Dokumentarfilme zu den Themen wie Corum, Maras, Sivas

Der BDAJ Bundesvorstand wird bis zur nächsten Bundesdelegiertenkonferenz ein Team auf die Beine stellen, welches in der Lage ist, Kurzfilme in Form von Dokumentationen über die Geschichte der Aleviten wie zum Beispiel Corum, Maras, Sivas, Dersim und dem Militärputsch mit “Zeitzeugen Interview” auf Deutsch umzusetzen.

Begründung:

Wir denken, dass die Jugend in Sachen, wie geschichtlicher Hintergrund viel zu wenig aufgeklärt worden ist und Dokumentationen für den “Geschichtsunterricht“ und “Alevitischen Religionsunterricht” fehlen.

 

2012.8 Sexualität ist kein Tabu. Verantwortungslosigkeit aber schon.

Nach der sexuellen Revolution in Deutschland änderte sich der Umgang mit den Themen Sexualität und sexuell übertragbare Krankheiten grundlegend. Diese Revolution wirkte sich jedoch nicht – und tut es noch heute nicht – auf die Familien mit Migrationshintergrund aus, so dass in diesen Familien jene Themen als absolutes Tabu angesehen werden. Was folgt, ist eine sexuelle Aufklärung von entsprechenden jungen Menschen überwiegend mithilfe von pornografischem Material im Internet, was jedoch Gefahren mit sich bringen kann: Falsche Vorstellungen von Verhütung oder Sexualität, die dazu führen, dass Teenagerschwangerschaften oder sexuell übertragbare Krankheiten gefördert werden können, und das nur, weil ein natürlicher und tabuloser Umgang mit diesen Themen in den jeweiligen Familien nicht möglich ist. Als nicht nur alevitischer, sondern auch Kinder- und Jugendverband ist es daher die Verantwortung des BDAJ gegenüber seinen Mitgliedern, dieser Form der gesundheitlichen Aufklärung nachzugehen und wie alle anderen Kinder- und Jugendverbände in Deutschland auch einen offenen Umgang mit diesem Thema zu ermöglichen, indem in der verbandsinternen Bildungsarbeit das Thema “sexuelle Aufklärung zur Vergegenwärtigung von sexuell übertragbaren Krankheiten” berücksichtigt wird.

Begründung:

Sexualität ist kein Tabuthema. Es ist – aus der Sicht der Biologie gesehen – die natürlichste Sache der Welt. Allerdings wird dieses Thema von konservativen Kreisen mit der Intention, Kinder und junge Menschen vor Gefahren zu schützen, tabuisiert, was das genaue Gegenteil der ursprünglichen Absicht bewirkt, nämlich eine Situation, die die jungen Menschen dazu motiviert, den eigenen Wissensdrang durch unzuverlässige Quellen zu befriedigen. Anschließend treten genau die Folgen auf, die man durch die Tabuisierung dieses Themas vermeiden wollte. Ergo ist diese Strategie nicht dazu geeignet, unsere jungen Menschen vor entsprechenden Problemen zu schützen.

Wenn also die Tabuisierung nicht weiterhilft, sondern ganz im Gegenteil mehr Schäden anrichtet, als sie Nutzen bringt, muss ein anderer Weg gefunden werden, um junge Menschen vor Gefahren zu schützen. Da die Aufklärung im Schulunterricht scheinbar nicht ausreicht und die jungen Menschen auf das Internet und den eigenen, ebenfalls teilweise fehlinformierten Freundeskreis zurückgreifen, sollten die Kinder- und Jugendverbände mit Migrationshintergrund wenigstens zum Teil die Rolle der Familie übernehmen, in der die Mitglieder sich offen über das Thema sexuell übertragbare Krankheiten äußern oder informieren können. Dies gilt auch für den BDAJ.

Auch wenn der BDAJ niemals vollständig die Verantwortung der Eltern und der Familien übernehmen kann, so kann er doch einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die Tabuisierung dieses überaus wichtigen Themas zur menschlichen Gesundheit verhindert wird. Als eine durchaus dynamische Jugend, die sich passend zu ihren Wurzeln und Idealen dem Fortschritt verpflichtet hat, wird diese Verantwortung für die eigenen Mitglieder nicht bloß zu einer Erweiterung des Bildungsangebotes, sondern zu einer Selbstverständlichkeit und sogar zu einer Pflicht. Denn letzten Endes handelt es sich um die natürlichste Sache des Lebens.

                                      

2012.9 Dick ist nicht “voll fett”!

Die Einstufung der WHO ist erschreckend: Übergewicht ist mittlerweile zu einer Pandemie geworden und führt zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen bei Erwachsenen, aber mittlerweile auch bei Kindern. Gerade deren Ernährungsgewohnheiten in den Industrienationen, die zu Übergewicht führen, haben erschreckende Auswirkungen auf ihre Zukunft und die Zukunft ihrer eigenen Kinder. Gesundheit fängt nicht zuletzt mit der Ernährung an, daher sieht der BDAJ es als seine Verantwortung, dieser alarmierenden Entwicklung entgegen zu wirken und dem Grund der Haupttodesursachen in den so genannten entwickelten Ländern vorzubeugen, um seinen Mitgliedern und allen jungen Menschen das Grundwissen mit auf den Weg zu geben, ein gesundes und langes Leben zu führen. Dafür werden entsprechende Kooperationen angestrebt, Projekte initiiert, jegliche Initiativen und weitere Bemühungen anderer Organisationen unterstützt und sich klar zu der Position bekannt, dass eine gesunde Ernährung ein Grundrecht für alle Kinder und Jugendliche darstellt und notfalls von der Politik auch sichergestellt werden muss, damit Übergewicht nicht mehr zu einem Problem für das Leben von Kindern und Jugendlichen wird.

 

Begründung:

Wenn dieser Antrag zu Ende beraten wurde, werden insgesamt ungefähr vier Personen aufgrund einer schlechten Ernährung verstorben sein. Der Grund: Überwiegend Herz-Kreislauf-Beschwerden und Krebs, was durch eine gute Ernährung verhindert werden könnte und gar nicht schwierig wäre.

Die vergangenen Generationen haben eine Lebensmittellandschaft geschaffen, die Kinder und junge Menschen regelrecht “vergiften” können. Weil viele Familien zu Hause nicht mehr kochen, da sie entweder die Leichtigkeit von Bestellungen oder die kurzfristig günstigen Kosten von Fast-Food-Mahlzeiten bevorzugen, wird kleinen Kindern von Anfang an ein Ernährungsmuster beigebracht, was auf die Dauer Übergewicht und die damit verbundenen Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislaufbeschwerden begünstigt, wenn dazu noch der Bewegungsmangel hinzukommt. Durch einen zusätzlich ahnungslosen Umgang mit Lebensmitteln aufgrund fehlendem Grundwissen nach dem Motto “Was mir schmeckt und billig ist, wird schon gut sein” haben die vergangenen drei Generationen in den entwickelten Ländern wie den USA, Großbritannien und Deutschland folgendes Horrorszenario erschaffen: Kinder werden – vor allem in den USA – durchschnittlich zehn Jahre weniger leben als ihre Eltern, weil die kommenden Generationen immer mehr Junk-Food konsumieren, als die Generationen davor.

Somit stellt sich die Frage, was denn die Schuld unserer Kinder ist, dass sie weniger leben dürfen, nur weil die heutigen Erwachsenen ein Umfeld geschaffen haben, was junge Menschen regelrecht früher tötet. Unsere Kinder haben diese Zukunft nicht verdient, deshalb müssen wir alles in unserer Macht stehende tun, um diese Zukunft von ihnen abzuwenden! Das ist zudem gar nicht so schwer, da es sich um Dinge handelt, die ganz leicht umgesetzt werden können, wenn man es nur wollte. Das beste Beispiel dafür ist das Kochen zu Hause mit frischen Zutaten, oder aber die Vermittlung von Wissen, warum etwas gesund ist und warum nicht und wieso genügend Bewegung die Gesundheit fördert.

Als ein Kinder- und Jugendverband in Deutschland sollten wir als BDAJ ebenfalls alles in unserer Macht stehende tun, um diesen frühen Tod, der zu 100% vermeidbar ist, von unseren Kindern und Jugendlichen in Deutschland abzuwenden. Gesunde Ernährung ist genauso wie Bildung ein Grundrecht und sollte deshalb von der Politik bis zur Gesellschaft von allen Instanzen gewährleistet sein. Notfalls müssen von der Politik Strukturen geschaffen werden, die jedem jungen Menschen in der Schule einen Zugang zum Wissen über eine gesunde Ernährung und zu Hause eine gesunde Mahlzeit ermöglichen, denn niemand darf seiner Gesundheit oder seines Lebens beraubt werden, nur weil er oder sie nicht das nötige Geld hat, um frische Lebensmittel zu kaufen.

Auch wir als ein konfessioneller Kinder- und Jugendverband, der Bildungsarbeit leistet, sollten daher unsere Verantwortung erfüllen und dieses Thema ganz groß geschrieben in unser Bildungsangebot mit aufnehmen, damit in Zukunft unsere eigenen Kinder und Enkelkinder und alle nachkommenden Generationen nicht aufgrund eines im wahrsten Sinne des Wortes “unnötigen” Todes durch Übergewicht früher als wir selbst versterben. Denn es ist die Gesundheit, die über allem steht. Ohne ein gesundes Leben ist schlichtweg nichts möglich.

                                      

2012.11 Ein Leben ohne Hürden – ein Leben voller Gleichheit

Kein Leben ist wertvoller oder minderwertiger als ein anderes. Niemand hat das Recht, darüber zu urteilen, ob jemand es verdient, auf eine bestimmte Art und Weise zu leben oder nicht, nur weil die entsprechenden Umstände betroffener Menschen für andere ungewohnt oder unverständlich erscheinen. Daher muss jedes Leben nicht nur akzeptiert, sondern auch respektiert und vor allem geehrt werden. Dies gilt insbesondere für das Leben von Menschen mit Behinderung. Aus diesem Grund heraus setzt sich der BDAJ, als Vertreter alevitischer Ideale und Wertevorstellungen, für die Gleichstellung jeden Lebens ein und sorgt durch seine Bildungsarbeit dafür, junge Menschen von Vorurteilen gegenüber Menschen mit Behinderung zu befreien und die Idee der Gleichheit durch Inklusionsmaßnahmen zu fördern. Dazu bemüht sich der BDAJ um eine Kooperation mit einem Verband, das sich für die Interessen von Menschen mit Behinderungen einsetzt und unterstützt solche bei der Umsetzung eines Lebens ohne Hürden. Denn: Wir Menschen sind alle eins, egal unter welchen Umständen wir auch leben!

 

Begründung:

72 millete aynı nazarla bakmak“, also “72 Nationen mit dem gleichen Auge sehen” ist eine der obersten Gebote des alevitischen Weges. Diese Formulierung ist nicht nur eine Aufforderung zur Ablehnung von Nationalismus und Rassismus in jeglicher Form, sondern auch eine Metapher: Die “72 Nationen” stehen nicht nur für Nationen im wörtlichen Sinne, sondern für alle Menschen, unabhängig ihrer Herkunft, Religion, Weltanschauung, Sexualität oder aber ihrer Lebensumstände. Von daher ist es mehr als nur verständlich, warum es die Aufgabe von uns Aleviten ist, für die Gleichheit des Lebens zu sorgen und Menschen nur noch als solche zu sehen. Jedes Leben ist genauso wertvoll wie das andere, da ist es irrelevant, ob jemand eine körperliche oder geistige Behinderung aufweist oder nicht.

Traurigerweise spielt es in unserer Gesellschaft immer noch eine Rolle, wie man aussieht oder auf andere wirkt. Besonders junge Menschen neigen zur Oberflächlichkeit und projizieren diese auf ihre Alltagsmuster. Bewusst meiden sie beispielsweise den Kontakt mit behinderten Menschen, schämen sich dafür, wenn sie mit ihnen gesehen werden oder finden es unangenehm, über das Thema Behinderung zu sprechen. “Behinderung” wird sogar dermaßen bei jungen Menschen als verpönt angesehen, dass es im Jugendjargon für Beleidigungen oder Schimpfwörter missbraucht wird. Beispiele dazu hat jede Person sicherlich schon einmal im eigenen Umfeld erfahren.

Das können und dürfen wir als Aleviten, denen jedes Leben nicht nur wichtig, sondern auch heilig ist, nicht verantworten! Jedes Schimpfwort, jede Peinlichkeit und jede Verantwortungslosigkeit bei diesem Thema ist eine Beleidigung gegen die Ehrwürdigkeit des Lebens und der Gleichheit aller und von daher mit alevitischen Wertevorstellungen nicht vereinbar!

Das schönste Zeichen, dass wir für Gleichheit und für ein Leben ohne Hürden setzen können, ist mit Menschen zusammen zu kommen, die aus erster Hand wissen, was es bedeutet, ein Leben voller Schwierigkeiten und Strapazen zu führen und dieses dennoch voller Tapferkeit und Tatendrang zu leben, was seinesgleichen sucht. So können wir am besten zeigen, was es bedeutet, den Menschen und sein Leben zu respektieren – ohne Hürden und ohne Vorurteile.

                                      

2012.12 Neumitgliederseminare

Der BDAJ Bundesvorstand und die Regionalverbände setzt sich für die gezielte Einführung von neuen Ortsjugenden im Verband ein. Durch mindestens ein jährliches Mitgliederseminar sollen inhaltliche Grundkenntnisse und erste Kontakte vermittelt werden.

 

Begründung:

Die Begrüßung von neuen Ortsjugenden und ihre Einbindung in den Verband erfolgt aktuell vereinzelt und unstrukturiert. Ein Neumitgliederseminar spricht frisch beigetretene Jugendliche konkret an und aktiviert sie. Hemmungen, die bei diversen anderen Veranstaltungen auftreten könnten, fallen weg, da das Seminar auf unerfahrene Mitglieder abgestimmt ist. Zudem ist es zeiteffizient, da mehrere Ortsjugenden teilnehmen können und nicht einzeln aufgesucht werden müssen. Zusätzlich werden die Jugendlichen vor Ort miteinander vernetzt.

                                      

2012.13 Antragsrecht und –förderung auf Regionalkonferenzen

Der BDAJ Bundesvorstand sorgt für eine Verdeutlichung des Antragsrechts auf Regionalkonferenzen. Auf dieses Antragsrecht muss vor jeder Regionalkonferenz durch den Regionalvorstand aufmerksam gemacht werden.

 

Begründung:

Die Regionalkonferenz darf nicht nur den Präsentationen von Arbeits- und Finanzberichten dienen, sondern muss maßgeblich bei der Gestaltung der Arbeit des Regionalvorstandes entscheidend sein.

Nur so können Partizipation und Transparenz in den Regionen gewährleistet werden.

 

2012.14 Festverankert im Verband

Personen, die für die BDAJ Bundesebene oder die BDAJ Regionalverbände kandidieren möchten, müssen ein Mitglied in einer Alevitischen Gemeinde der AABF oder BDAJ Untergliederung sein.

Dies soll künftig auch in der Satzung bzw. Geschäftsordnung verankert werden.